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Frischer Wind in Munderfing

Die Kobernaußerwald Gemeinde ist eine der 15 Zukunftsorte Österreichs. Eine Spurensuche mit beeindruckenden Entdeckungen.
Auf verschlungenen Pfaden geht es hinein ins Katztal, die Forststraße steigt an, wird steil, überwindet in kurzer Zeit 100 Höhenmeter. Munderfing ist da schon mehr als zwei Kilometer weit entfernt. Nichts ist mehr zu sehen von den Häusern, dem Kirchturm, den Bahngleisen. Zu hören sowieso nicht. Vor dem Schmaierlkreuz geht’s rechts auf eine Art Hochebene. Der Himmel kämpft sich wieder durch die Baumkronen – und urplötzlich stehen sie da, die sechs gigantischen Wahrzeichen von Munderfing. Bis zu 160 Meter ragen sie empor, doch man muss schon den ganzen Weg von „unten“ an der Abzweigung bis hier nach oben zurücklegen, um sie zu Gesicht zu bekommen. Die stillen Riesen haben sich gut versteckt in den südlichen Ausläufern des Kobernaußer Waldes.
Im Frühjahr 2014 wurden die ersten fünf Windräder in Betrieb genommen. Die sechste Anlage kam im Oktober 2022 dazu. Der Munderfinger Windpark ist aber nicht deshalb das Aushängeschild der Gemeinde, weil er grünen Strom für 13.000 Haushalte erzeugt. Seine österreichweite Einzigartigkeit speist sich jedoch aus der Tatsache, dass er zu 75 Prozent der Gemeinde gehört. Das heißt: Jede Munderfingerin und jeder Munderfinger ist indirekt an den Windrädern beteiligt. „Es war ein langer Kampf, deshalb ist es umso schöner, dass es funktioniert“, freut sich Bürgermeister Martin Voggenberger. Er ist seit Jänner 2026 auch Obmann der 15 Zukunftsorte Österreichs.
Munderfing gehört seit 2013 zu dieser illustren Runde. Bereits Ende der 1990er-Jahre wurde ein Ortsentwicklungskonzept ausgearbeitet. Es sollte etwas für die Jugend getan sowie ein Bürgerbüro eröffnet werden. 2003 kam ein lokaler Plan für Bildung und Beschäftigung hinzu. Im Jahr darauf folgte ein Energiekonzept: Das Thema „Erneuerbare“ sollte mit „Sparen durch Dämmen“ verwoben werden. Da passte es natürlich großartig ins Bild, dass sich in Munderfing bereits einige Jahre zuvor die EWS angesiedelt hatte. Die EWS ist ein junges, dynamisches Familienunternehmen mit Spezialisierung auf Wind- und Solarenergie. So führte eines zum anderen. Eine logische Konsequenz, könnte man rückblickend sagen. Doch es bedurfte eines entscheidenden Bausteins, der Munderfing zu dem machte, was es seit 2013 ist: ein Zukunftsort. „Wenn er nicht gewesen wäre, wäre vieles nicht passiert“, zieht Bürgermeister Voggenberger auch sieben Jahre nach der Pensionierung seines Amtsleiters Erwin Moser den Hut vor seinem ehemaligen Mitarbeiter. Über dreieinhalb Jahrzehnte war Moser treibende Kraft, die Gemeinde zukunftsfit zu machen. Heute muss man sagen: Operation gelungen, Patient lebt. Zwar hat Munderfing als KTM-Gemeinde durch die Pleite des Motorradbauers mit Hauptsitz im benachbarten Mattighofen ziemlich gelitten. „mehrere hundert Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, das tut uns schon sehr weh“, bekennt Voggenberger. Dennoch: Mit Abwanderung hat Munderfing keine Probleme. Ganz im Gegenteil.
In den vergangenen 20 Jahren stieg die Bevölkerungszahl von 2700 auf 3100. Den Verkehr durch das Mattigtal hat man 2017 aus dem Ortskern auf die Umfahrung verbannt, die Infrastruktur ist mit Spar, Bäcker, Metzger, Restaurant, Hotel, Ärzten, Schulzentrum, Kindergarten, Pfarre, Vereinen, Bahnhof und zahlreichen Handwerksbetrieben mehr als nur intakt. Nur wenige Meter vom Gemeindeamt, das Teil des Munderfinger Genussplatzls wurde, wo regelmäßig im Sommer kulturelle Events stattfinden, gurgelt der Schwemmbach durch den Ort. Auf ihm wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts Holz aus dem Kobernaußer Wald getriftet. Um dieses einst bedeutenden Wirtschaftszweiges zu gedenken, errichtete die Gemeinde 2022 unter intensiver Einbindung seiner Bürgerinnen und Bürger den sogenannten Flößerstrand. Der kunstvoll gestaltete Zugang zum Schwemmbach in zentraler Lage hat sich längst zum Alltagsrefugium gemausert, wo man quasi am rauschenden Bach jederzeit mit der Seele baumeln kann. Das Fließgewässer wird auf einigen Metern abgeleitet, um ein Wassertreten a la Kneipp zu ermöglichen. Gerade in heißen Sommern eine wunderbare Abkühlung.
Munderfing wäre jedoch kein Zukunftsort, ohne bereits die Fühler in Richtung der kooperierenden Region ausgestreckt zu haben: Gemeinsam mit Mattighofen, Uttendorf, Burgkirchen, Jeging, Moosdorf, Kirchberg, Perwang, Schalchen und Lochen ist man im regionalen Standesamtsverband organisiert. Munderfing, der Zukunftsort, als Zugpferd für die Zukunftsregion Mattigtal? Ein schöner Gedanke. Und ein durchaus realer.









